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Als niemand mehr damit rechnete stimmte eine knappe Mehrheit für die Demokratie: „Brexit“

Auf die Frage „Leave“ oder „Remain“ gab es nur eine richtige Antwort: „Remain“, eh klar. Nach dem „Leave“ wird das Wirtschaftswachstum in England und in der EU geringer ausfallen. Die Modell Schweiz oder Norwegen (Beteiligung am EU-Binnenmarkt ohne EU-Mitglied zu sein) würden für England weiterhin hohe Kosten, aber weniger Mitbestimmung bedeuten. Wir dürfen in Neukölln nicht mehr Englisch mit der hipen Barista reden. Und am aller schlimmsten, vielleicht schadet es der Champions-League.

Aber wenn es auf dies Frage „Brexit ja/nein“ selbstverständlich nur eine richtige Antwort gab und wenn selbst die Brexit-Befürworter es eigentlich auch gar nicht so ernst gemeint haben, worüber wurde dann überhaupt abgestimmt? Warum stimmt man ab über „einen Plan haben“ vs. „keinen Plan haben“? Liegt der Grund für das Ergebnis darin, dass die sadistischen Yolo-Senioren seniler sind als gedacht. War es ein Battle Alte vs. Junge, wobei die Jungen ja ohnehin gewonnen hätten, wenn mehr von ihnen zur Wahl gegangen wären? Sind wir also einfach alle noch dümmer als erwartet? Brauchen wir jetzt die Wahlpflicht, weil es statistisch bewiesen ist, dass die gegen Populismus und Lobby hilft?
All diese Fragen offenbaren eine überholte Perspektive auf Demokratie. In Zukunft werden sich immer mehr, wenn nicht gar bald schon alle, Abstimmungen nur noch um die Wahl „sinnvoller Plan“ vs. „sinnliches Yolo“ drehen. Auf der einen Seite die traditionellen Parteien, die alle irgendwie das selbe vertreten: den einzig rational-logischen Plan, auf der anderen Seite Populisten und Spaßparteien mit Vorschlägen bar jeder rationalen Vernunft.

Die Demokratie ist kaputt, dafür gibt es drei Gründe (“Leave” Wähler sind keiner davon, die haben nur versucht für die Demokratie zu stimmen):

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Im Neoliberalismus hilft liberale Kulturpolitik

seit man sich das letzte Mal vornahm häufiger ins Theater zu gehen ist schon wieder eine Spielzeit vergangen und mit 30 lernt man außerdem nur noch schwer ein Instrument…

“Man sollte mal wieder mehr ins Theater” und ähnliche klassische Kulturprobleme akademischer Mittelschichten betreffen immer weniger Menschen. Zu behaupten, immer mehr Menschen trieben sich stattdessen auf Facebook herum, um dort bequem Chemtrails, Verschwörungstheorien und Antisemitismusproblemen nachgehen zu können, wäre vermutlich brutal kulturpessimistisch, ist vielleicht aber wahr. Noch vor einigen Jahren haben wir (Bildungsbürger) mitleidig auf jene Milieus (der Fortschrittsverlierer) geblickt, denen wir unterstellten nicht außreichend Zugang zu kulturellem Kapital zu haben (und damit meinten wir plusminus das Wiener Burgtheater). Mittlerweile bekommen wir es mit der Angst zu tun. Verschwörungstheorien und Antisemitismusprobleme werden in Österreich immerhin schon von der umfragenstärksten Partei repräsentiert (in Deutschland steht die AfD bei 10-15% und es ist immerhin Deutschland).
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Gangrape und Feminismus passen nicht zusammen

Der Bergmoneygang-Noisey-Beef brachte einen so überwältigenden Overload an postmodernem Sozialverhalten zu Tage, dass ich rund eine Woche nicht wusste, wie ich die Sache einordnen soll. Dann kam ich zu dem Entschluss, dass man in diesem Fall unterscheiden muss, zwischen dem Konflikt Vice-Praktikantin-Antonia vs. Bergmoneygang, der sich vor allem in Private Messages und geheimen Facebook-Gruppen abgespielt hat, und dem folgenden Konflikt Vice&-Vice-Agenturen-Umfeld vs. Bergmoneygang der sich vor allem im Facebook-Event einer The Gap Party, auf den Pages von Vice, Noisey, Yung Hurn und der Bergmoneygang abgespielt hat. Zweiterer Beef war es, der uns mit obszönem Schaudern alle zehn Minuten die Timeline refreshen lies. Read More

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Der postmoderne Martial-Arts-Wahlkampf der Grünen

Am Ende gewinnt immer die FPÖ. Ja, das Bundespräsident-Strache-Video ist sicher ein weiterer Beleg dafür, dass die Nationalisten beim Stimmenfangen vieles richtig machen. Aber mal ehrlich: Beim Mannschaftssport zu gewinnen ist nur dann eine Herausforderung, wenn sich alle darauf einigen nach sinnvollen Regeln zu spielen. Man könnte auch verlässlich mit Tittenvideos Reichweite auf Facebook bekommen – nur lässt Facebook das nicht zu. Im Grunde beweist der erwartbare Erfolg der FPÖ bei der Wien-Wahl (neben zahlreichen Nebenursachen) also vor allem eine Schwäche in den Spielregeln der österreichischen Verfassung. Es ist nicht sinnvoll definiert innerhalb welches Spektrums das Spiel „Demokratie“ in diesem Land stattfinden soll und darf.

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Neben Medienpolitik ist alles andere nur ein Wohlfühlthema | Part 1

Demokratisierte Meinungsbildung, also die echte,
lebt vor allem die Rechte

Wir können ein bisschen an parlamentarischen Geschäftsordnungen herum feilschen, das Wahlrecht oder Untersuchungsausschüsse reformieren. Alles ein spannender Zeitvertreib, es ist aber auch Kinderfasching, verglichen mit Medienpolitik. Medien sind der Ort, an dem wir ausmachen, wie mir miteinander Leben – hat glaube ich mal jemand so oder so ähnlich gesagt. Das ist uns natürlich allen klar. Wenn wir über Politik reden, dann reden wir über Medien, denn für die griechische Agora sind wir ja schon seit einer ganzen Weile zu viele Wahlberechtigte. Auf welchem Niveau wir über Reformen der Sozial-, oder Bildungssysteme diskutieren, darüber hat die Medienpolitik unserer Vorgängergeneration entschieden. Und weil die ganze Sache so beeindruckend allumfassend ist, findet Medienpolitik, wie alle wichtigen Politikfelder, kaum statt. Das will sich einfach keiner antun. Wenn dich die Qualität unserer Diskussionskultur stört, wo willst du also die Debatte darüber führen?

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Puhh, endlich wissen wir wie man die Eurokrise löst

Plötzlich wissen wir was das griechische Votum “will”. Hieß es nicht noch vor einer Woche, dass der Referendumstext verklausuliert und schwer zu durchschauen sei? Ziemlich sicher lässt sich die Abstimmung so verstehen, dass die Griechen ihrer Regierung den Rücken stärken wollten. Verbleib im Euro zu verbesserten Konditionen. Aber zu welchen Konditionen?

Egal!

Überdurchschnittlich gebildete Mediennutzer wissen ab sofort wie man den Euro und die Griechen rettet. Sie wissen wer die Bösen sind und wer die Guten. Sie wissen wer pro Europa ist und wer contra und sie wissen welche Interessen demokratisch sind und welche nicht. Plötzlich ist nichts von dem mehr kompliziert, was die letzten Jahre keiner lösen konnte (und außerdem kann man derzeit aus Österreich leicht +/- 100 Retweets bekommen – wie geil)

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Wenn wir Wähler wüssten, was wir wissen…

Sehe dich auf der Straße um: Gut die Hälfte der Menschen um dich herum macht von ihrem Wahlrecht gebrauch. Darunter wählt jeder vierte eine Partei, die wechselweise aus dem Programm der NSDAP „zitiert“, oder Kriegsflüchtlinge beschimpft. Ein Viertel der österreichischen Wählerinnen und Wähler bewegt sich damit klar außerhalb des Spektrums klassisch bildungsbürgerlicher Wertvorstellungen wie „Menschenrechte“, bzw. außerhalb dessen, was seit dem Ende des zweiten Weltkriegs gemeinhin als „demokratisch“ akzeptiert wird. Das ist schade. Vielleicht wäre es vermeidbar gewesen. Jetzt ist es Fakt. Was jeder vierte wählt, lässt sich kaum noch für demokratisch unzulässig erklären.

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Happykollektivismus der Generation Tomorrowland

Ich gehe nicht auf Festivals. Ich war nie auf dem Melt – dem Festival meiner Alterskohorte. Auch nicht auf dem Tomorrowland – der Spaßfabrik für alle die 5-10 Jahre jünger sind als ich. Vor dem Melt liegen die Jahre der Loveparade (zu dieser Alterskohorte ist im Grunde das meiste gesagt). Ich war nur einmal auf dem Frequency. 2010 als Eisverkäufer. Trotzdem möchte ich ein paar Vermutungen anstellen, über die Sinn-, Ziel- und Lebenskonzepte, die sich für die Alterskohorten die diese Spektakel besuchen jeweils so herrlich kompakt herauslesen lassen. Die heute ca. 14 bis 22- Jährigen Tomorrowlandlleute – also die Alterskohorte hinter mir – ist jetzt gerade lange genug auf der Welt um an ihr erste stabile Muster ablesen können. Diese Muster deuten an: Relativ sicher verläuft zwischen den heute ca. 14 bis 22-Jährigen und den heute 25 bis 35/40- Jährigen (der Alterskohorten Melt und Loveparade) sogar eine Generationsgrenze.

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Pop macht Mortal Combat mit Kommunikation

Kommunikation in plain Deutsch Teil 2

Kommunikation lässt sich also nicht mehr in der klassischen Logik bürgerlicher Öffentlichkeit (in Abgrenzung zur bürgerlichen Privatsphäre) beschreiben. Was wir heute als Virtualisierung und Interaktivität von Kommunikation erleben, als Rückbesinnung auf narrative Strukturen und auf eine neu Ästhetisierung der Kommunikation, ist nicht nur Zeitgeist und Mode, sondern ein Kulturwandel. In der professionalisierten Kommunikation heißt das dann Content-Marketing, Storytelling, 360° Customer Journey. Gerade weil diese Buzzwords derart werblich kompakte Dienstleistungsprodukte der Kommunikationsbranche verkaufen wollen, täuschen sie ein wenig darüber hinweg, dass dieser Kulturwandel in der Tat fundamental ist.

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